Und so begann der Krieg gegen die Maschinen…

Auch wenn ich ein begeisterter Fan von Science Fiction, Technik und Zukunftsvisionen bin, dabei jedoch immer versuche einen kritischen Abstand zu Jubelmeldungen über wissenschaftliche und technische Durchbrüche zu halten, muss ich sagen, dass die Entwicklungen in der Militärtechnik weltweit in Bezug auf automatisierte Tötungsmaschinen langsam aber sicher bedenkliche Ausmaße annimmt.

Krieg der Roboter – Bericht im Spiegel
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,499426,00.html

Zwar gab es in den vergangen Jahren schon diverse interessante und zeitweise auch lächerliche Meldungen von Maschinen, die Menschen das Kriegshandwerk direkt abnehmen sollten, jedoch war hier die Kontrolle durch Menschen immer Grundbedingung. Die verschiedenen Drohnen und Konstrukte waren quasi verlängerte Arme der Soldaten, die keine eigenen Entscheidungen treffen konnten. Natürlich besteht auch bei einer bewaffneten Predator Drohne ein gewisses Risiko, dass z.B. durch eine Fehlfunktion Zivilisten bzw. „falsche Ziele“ zu Schaden kommen. Bei den neuesten Entwicklungen verschiedener Streitkräfte, die bereits im Feld eingesetzt und getestet werden, sieht das schon anders aus. Hier ist zumindest schon eingeplant, die jeweiligen Roboter in naher Zukunft mit einer Art künstlicher Intelligenz auszustatten und sie, abgesehen von einer vorprogrammierten Mission, autark agieren zu lassen. Das bedeutet im konkreten Beispiel, dass ein solcher Roboter ohne Rücksprache mit einer Einsatzzentrale entscheidet, ob er das Feuer auf ein Ziel eröffnet oder nicht.

Links zu Beschreibungen einiger UAVs und Roboter sind hier aufgeführt:

MQ-1 Predator Drohne (USA/many other countries)
http://www.af.mil/factsheets/factsheet.asp?fsID=122
http://en.wikipedia.org/wiki/MQ-1_Predator

MQ-9 Reaper Kampfdrohne (USA/UK)

http://en.wikipedia.org/wiki/MQ-9_Reaper
http://www.defense-update.com/products/p/predatorB.htm

IAI Heron / Machatz-1 (Israel)
http://en.wikipedia.org/wiki/IAI_Heron

TIHA (Türkei)
http://en.wikipedia.org/wiki/TIHA

RQ-4 Global Hawk
http://en.wikipedia.org/wiki/RQ-4_Global_Hawk
http://www.af.mil/factsheets/factsheet.asp?fsID=175

USAF Hunter-Killer
http://en.wikipedia.org/wiki/USAF_Hunter-Killer

Komplette Übersicht der UAVs
http://www.vectorsite.net/twuav.html

Samsung-TechWin Objektschutz Roboter
http://www.golem.de/0701/50167.html
Video: http://robots.pandemonium.de/2006/11/15/samsungs-sentry-robot/
Mit diesem Roboter soll eventuell noch 2007 die Grenze zur demilitarisierten Zone von Südkorea zu Nordkorea ausgerüstet werden.

Rafael See-Shoot System (Israel)
http://www.heise.de/newsticker/meldung/90673/from/rss09

Swords (USA)
http://www.defensereview.com/modules.php?name=News&file=article&sid=704
http://www.defenselink.mil/transformation/articles/2004-12/ta120604c.html
Video: http://www.youtube.com/watch?v=e26Gnc3E0yg

Die Swords Roboter, bei denen auf den fahrbaren Talon-Roboter, der zur Bombenentschärfung eingestetzt wird, Sensoren, Kameras und zwei M249 Maschinengewehre bzw. eine Panzerabwehrrakete installiert werden, sind nun laut Pressemeldungen (spiegel.de) im Irak zum Einsatz. Sie werden dort unter strenger Geheimhaltung unter realen Kampfbedingungen getestet.

Entwickung weltweit
Wie man der Presse unschwer entnehmen kann entwickeln alle größeren Wirtschaftsnationen UAVs und „Kampfroboter“. Da sind die USA nur noch die Speerspitze mit dem weitaus größten Budget, auch westeuropäische Länder wie Frankreich, Deutschland und Italien investieren in die unbemannten Kriegsgeräte der Zukunft. Der Einsatz selbstständiger Kampfroboter ist nur noch eine Frage der Zeit und nicht mehr eine Frage der technischen Machbarkeit. Sicher ist die Entwicklung einer Steuersoftware aufwändig und nicht unproblematisch, aber sie ist das erklärte Ziel der Industrienationen und allein schon aus wirtschaftlicher Sicht unumgänglich. Kleine High-Tech Armeen mit starker Unterstützung durch autarke oder semi-autarke Waffensysteme werden in Zukunft die Verteidigung und militärischen Interessen wahrnehmen.

Nach den ethischen Problemen und den Gefahren beim Einsatz nicht direkt gesteuerter Waffensysteme wird kaum diskutiert. Die Militärs stellen gerne den Schutz eigener (menschlicher) Truppen in den Vordergrund. Dagegen stehen immense Entwicklungskosten, die die Kriegsführung nur vermeintlich billiger machen. Bis Roboter kostengünstiger eingesetzt werden können, als Soldaten, dürften noch viele Jahre vergehen. Gravierender sind da eher die Auswirkungen menschlicher Opfer in den eigenen Reihen für die Politiker. Einem verlorenen Roboter weint kein Wähler nach, den eigenen Landsleuten und Verwandten hingegen schon. Dass Roboter keine Fragen stellen, nicht schlafen und essen müssen, keine Moral und Angst kennen sowie vom Feind nicht gefoltert oder als Geisel eingesetzt werden können, liegt auf der Hand. Dass ein fehlendes Gewissen es allerdings auch möglich macht, dass Militärs ihre Stahlsoldaten für andere Zwecke als ihre eigentliche Missionserfüllung einsetzen, ist eine reale Gefahr. Bis zu 1 Drittel der amerikanischen Streitkräfte soll in den kommenden Jahren durch Roboter ersetzt werden. Mit einer solchen Armee ohne Loyalität und Gewissensbisse ließe sich von abtrünnigen Militärs problemlos großes Unheil anrichten – auch innerhalb der eigenen Staatsgrenzen.

Schon bei den UAVs stellte sich die Frage, ob die technisch bedingte zusätzliche Distanz des Angreifers zu seinem Opfer die Hemmschwelle zum Töten noch weiter reduzieren würde, bei autark handelnden Robotern stellt sich die Frage erst gar nicht mehr.

Sicher sind wir noch weit von einem „Terminator“-Szenario entfernt, in dem sich die Maschinen zusammenrotten und geschlossen einen Vernichtungskrieg gegen die Menschheit beginnen. Doch wer verhindert zukünftig folgenschwere Fehlfunktionen oder die Manipulation von innen wie von aussen? Vernetzte und ferngesteuerte Waffeneinheiten dürften für die gegnerische Seite sowie Terroristen ein lohnendes Ziel für elektronische Manipulationen (Hijackiing) sein. Roboter, die ohne Netzwerkverbindung agieren, sind dagegen umso unkalkulierbarer – fehlt hier dann doch jede Möglichkeit einen „Notschalter“ umzulegen. Geheimdienste können solche Geräte beliebig für geheime Operationen einsetzen, ohne jegliche Kontrollmöglichkeit und ohne Gefahr, dass irgendwann alles aufgedeckt wird, weil ein Aussteiger plaudert. Alles in allem sind Kampfroboter der nächsten Generationen wohl keine Science Fiction oder militärische Spinnerei mehr, sondern eine neue Wirklichkeit auf zukünftigen Schlachtfeldern.

Transformers by bye … die Zukunft gehört SentryBots die leider echte Kugeln abfeuern.

~ von bohei am Dienstag, 14. August 2007.

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